Riegenreise 2008 PDF
Written by Jakob Gehring   
Thursday, 04 September 2008

Männerriegenreise Sedrun mit NEAT Besichtigung

Es ist Samstag 30. August. Eine aufgestellte Schar Männerriegler reist frühmorgens mit dem Zug Richtung Surselva.

Der Oberalppass ist das erste Zwischenziel. 42 Mann entsteigen hier den Wagen der Furka-Oberalpbahn Ein Kaffeehalt ist längst fällig. Im Restaurant Piz Calmot  finden alle genügend Platz. Organisator und Reiseleiter Otmar Hug hat alles bestens organisiert und reserviert.

Während bei der Abfahrt in Bülach im Unterland noch etwas Nebel lag, scheint nun hier auf 2035 über Meer die Sonne herrlich aus tiefblauem Himmel.

 

Gegen halb elf Uhr, beginnt die Wanderung zum Höhenweg Senda Sursilvana. In dreieinhalb Stunden sollten wir am Tagesziel Sedrun ankommen. Anfänglich formiert sich eine geschlossene Kolonne. Bald aber ist davon nicht mehr viel zu sehen. Die 27 Mann der Gruppe eins schlängelt sich nun arg zerrissen und keuchend hinauf zum Aussichtsberg Calmut auf 2309 m, wo einige zum Rucksack, zur Feldflasche, zu saftigen Äpfeln oder was sonst darin steckt greifen. Besonders genussreich ist jetzt aber die überaus klare Sicht auf die rundum fantastische Bergwelt.

 

Die Gruppe zwei mit fünfzehn Mann besteigt in diesen Momenten wieder die Bahn und fährt bis Rueras, um danach auf Schuhsters Rappen den Weg nach Sedrun zu bewältigen. Dort werden sie nämlich bereits um halb drei Uhr auf der NEAT-Baustelle

unter Tag ihre Wunder erleben.

 

Nach dieser aussichtsreichen Gipfelpause ziehen die sportlichen Wandergesellen der Gruppe eins frisch und fröhlich weiter. Allerdings jetzt immer mehr in kleineren und grösseren Trupps. Steinige Pfade, Stock und Stein oder Bergbäche werden geschickt überwunden. Einige Kameraden schlagen zunehmend ein Tempo an als wären sie auf der Flucht vor dem Wolf(er). Der aber ist ja gar nicht da!  Andere bummeln unverdrossen sehr weit hinten drein. Doch nach etwa einer Stunde kommt das Sommerdörfchen Milez und das Bergbeizli ins Blickfeld.

 

Während die letzten fünf Mohikaner hier langsam und saumüde eintreffen, geht es am Tisch der Frühankömmlinge schon recht turbulent zu und her. Mit einem Bierchen, einer K.Bratwurst oder einer Hirschwurst und einem Kaffee sind die Nachkömmlinge bereits zufrieden.

 

Man wäre zwar gerne noch geblieben. Aber leider liegen bis zum Tagesziel Sedrun noch ein paar happige Kilometer Bergweg vor uns. "Also packen wir's an" sagt der Urner-Sepp und ergreift seinen Hackenstock. Gestärkt durch die grosse K. Bratwurst geht jetzt Martin an die Spitze der Fünfergruppe. Für die lustigen Zecher am Nachbar-Tisch ist es deutlich zu früh.

Jetzt geht’s nochmals gnadenlos bergauf. Dann aber führt ein steiler Pfad im Zickzack durch dichten Wald abwärts zur Alp Malamusa. Anders als Kameraden, die später auf anderen Wegen folgen, kürzen wir hier ab; direkt zur Wegspur, die ein paar hundert Meter weiter unten über den Bach führt. Dann, hoppla, nochmals brutal steil hinauf und auf dem asphaltierten Strässchen dann aber gnädig bergab zum Bahnhof Rueras. Das reicht für heute, ist man sich einig und nimmt zügig den Zug nach Sedrun. 

 

Wie aber haben es die anderen Kameraden der feucht fröhlichen Runde geschafft, den "Heimweg" zu finden? Beim gemütlichen Beisammensein an den Tischen vor dem Hotel Soliva wird allerhand erzählt. Einige sind erschlagen von den vielen Infos und Eindrücken im NEAT-Stollen. Der Schreiber ist gespannt, welche Episoden irgendwann noch zum Vorschein kommen. Es beginnt es zu dunkeln. Das Nachtessen ist bereit. 42 Mann setzen sich an die Tische und warten gespannt  auf Capuns, Salat, Geschnetzeltes und gemischtes Eis zum Dessert.  Am runden Tisch nimmt man gerne noch einen Malanser dazu. Langsam wird es ruhig im Saal. Man wünscht sich guten Appetit, stösst an zum Wohl mit klingenden Gläsern und alle freuen sich sichtlich am feinen Znacht. Beim Dessert beginnt leider der Lärmpegel wieder zu steigen. Rede lauter, ich verstehe nichts, brüllt Ruedi seinem Gegenüber zu und der wiederholt noch lauter, was er soeben schon sehr laut gesagt.

 

In einer Ecke des Lokals sitzen bereits vier Spielmänner und halten diskret und gespannt  ihre Jasskarten in den Händen. Wer schliesslich gegen Mitternacht wie viel "bluten" musste, bleibt unter Verschluss. In einem etwas weiter entfernten Lokal wird ebenfalls gespielt, aber ganz etwas anderes. Teenager messen sich hier unermüdlich am Töggelikasten. Rasch sind dann aber auch einige von uns dabei.

Als es gegen Mitternacht geht, bekommen einige müde Augen und suchen den verdienten Schlaf. Doch, oh weh, viele Kameraden können den bis Morgen früh nicht finden, denn die vielen jungen Leute, die sich hier zusammengefunden haben, unterhalten sich lautstark lachend und grölend auf dem Parkplatz vor dem Hotel bis zum Morgengrauen und als es still geworden ist, bimmeln n kurz darauf Kirchglocken unüberhörbar zur Messe.

Im Speisesaal finden wir ein vielfältiges Zmorge-Buffet. Der Gruppe zwei steht noch die dreistündige Besichtigung der NEAT-Baustelle bevor.  Bis sich dann alle vor dem Hotel zum Gruppenfoto im richtigen Licht positioniert haben, ist es Zeit für die nächste Aktion.

Punkt neun Uhr begrüsst uns ein leitender Ingenieur im NEAT-Info-Zentrum zur Führung. Als erstes bestaunen wir im halbstündigen Film, wie und was bisher in diesem gigantischen Bauwerk entstanden ist. Im Jahr 2017 soll es mit dem weltweit längsten Tunnel von 57 km fertig sein, sofern beim Vortrieb keine allzu grossen geologischen Hindernisse auftauchen. Dann sollen pro Tag 300 und mehr Züge mit 200 km/h und mehr durch den Tunnel donnern, womit die Fahrzeit von Zürich nach Mailand von heute viereinhalb auf rund zweieinhalb Stunden verkürzt werde.

Ausgerüstet mit Jacken, Helm, Gasmasken und Kopfhörern rattern wir nun mit dem sog. TGV in zirka fünf Minuten tüchtig geschüttelt zum Schachtkopf. Da vernehmen wir, wie sich in 800 m Tiefe eine 410 m lange Tunnelbohrmaschine mit einem Bohrkopf von 9.4 m Durchmesser durch Fels und Gestein frisst. In 24 Stunden zwischen 6 und 12 m weit. Bisher habe man 13.3 Mio. Kubik Schutt ausgehoben und teilweise zur Tal-Auffüllung verwendet. Man habe bisher rund 30 Milliarden Franken in dieses ganze Bauwerk zu Gunsten unserer Nachkommen investiert. Vollgestopft mit Informationen verlassen wir stark beeindruckt diese geniale Multifunktionsstelle.

 

Inzwischen ist es Mittag geworden und damit Zeit, die Fahrräder des Tessiner Unternehmers entgegenzunehmen und unseren Neigungen anzupassen. Gut instruiert und zur Vorsicht ermahnt, startet die erste Gruppe. Wenige Minuten später die zweite und dritte. Von nun an geht’s auf der Hauptstrasse flott und leise schön hintereinander bergab. Ab Disentis müsst ihr auf den Radweg, sagt Otmar, und in Surrain im Restaurant Craina machen wir einen Boxenstopp.

Alles klar, sagt unser Vordermann und startet vorsichtig auf die Hauptstrasse. In Disentis zielbewusst geradeaus und prompt vorbei am nach rechts gekröpften Velolandzeichen. Wunderbar! Alles schön dem Rhein entlang, nur ein bisschen weiter oben, erreichen wir ohne Auf und Ab im Glände bequem die genannte Beiz, sehr erstaunt natürlich, dass unsere lieben Kollegen, welche vor uns abgefahren sind, noch nicht da sind. Zwanzig Minuten später treffen sie dann auch ein, allerdings ziemlich mitgenommen wie es scheint. Im abgekröpften Radweg seien sie auf happige "Höger" gestossen, melden sie keuchend.   

Die uns hier in der recht gemütlichen Beiz servierten Spaghetti sind prima und decken zusammen mit dem Kübeli Bier den Kalorienbedarf bis Ilanz mehr als genug.

Jedenfalls beginnt nach dem Kaffee die Weiterfahrt recht rasant und zielstrebig, so sehr, dass ein Kamerad auf dem holprigen und kurvenreichen Radweg plötzlich vor mir auf dem Ranzen liegt, "Huere Siech" ausruft und flucht.  Als er die Hand vom Mund wegnimmt, sieht man sofort, dass sein Gebiss keine Lücken aufweist.

Im übrigen aber kommen in Ilanz alle wohlbehalten zum Bus, um  unserem Velovermieter den Göppel zurückzugeben.

 

Nach einer kurzen Einkehr im nahe liegenden Restaurant, fahren wir kurz vor halb sechs Uhr mit dem Zug in Ilanz ab und zweieinhalb Stunden später treffen wir in Bülach ein. Auch auf dieser Heimfahrt ist die "Luft dus" und es passiert nichts mehr, was in die Vereingeschichte eingehen könnte. Immerhin ziehen in der schönen Abendstimmung viele abwechslungsreiche Landschaften an uns vorbei und man geniesst die ruhige Atmosphäre in den Waggons. Man nähert sich dem Unterland und damit dem Ende einer vergnüglichen Riegenreise. Erneut liegen zwei erlebnisreiche Tage in guter Kameradschaft hinter uns. Dem umsichtigen Organisator und Reiseleiter Otmar Hug und allen Teilnehmern sei an dieser Stelle  für die kurzweiligen und heiteren Unterhaltungsbeiträge herzlich gedankt.  HPA

 

 

auf dem oberalp.jpgauf los gehts los.jpg
b warten.jpg
alle mit helm.jpg

b helm anpassen.jpg b achtung fertig los.jpgb unorganisierte saecke.jpg

b ungewohntes bild.jpg
auf dem velo.jpg

b radfahrer.jpg  b abfahrt restaurant.jpg


am ziel ilanz.jpg

b rheinschlucht.jpg

 

 
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